Superstar Cristiano Ronaldo verkündet das Ende einer Ära (2024)

Der ewige Cristiano Ronaldo spielt in Saudi-Arabien, sein Rivale Lionel Messi in den USA. Die beiden Superstars haben den Weltfußball seit der WM 2006 geprägt. Sie haben den Fußball in eine andere Zeit geführt. Jetzt sei alles vorbei, verkündet der Portugiese.

In diesen letzten Sommer-Tagen 2023 leuchten die Trikots von Al-Nassr besonders schön. Noch sind sie eine Modeerscheinung, doch der Klub aus der saudischen Pro League hat es bis in die letzten Winkel der deutschen Provinz geschafft. Nicht weil der Klub so gut ist, sondern weil dort der wohl größte Fußballer der vergangenen Dekaden unter Vertrag steht. Zumindest für die, die nicht an den Argentinier Lionel Messi, sondern eben an den Portugiesen Cristiano Ronaldo geglaubt haben.

Der Dualismus der beiden Superstars dominiert die Welt des Fußballs über einen noch längeren Zeitraum als der FC Bayern München die Bundesliga. Seit tief in den 00er-Jahren, seit dem Sommermärchen 2006 hing die Frage "Messi oder Ronaldo?" über allem. Sie war eine, die die ganz alten Beobachter an die Grundsatzfrage "Rolling Stones oder Beatles?" erinnerte und die in der Welt des runden Leders vielleicht nur mit den 1970er-Jahren vergleichbar war. Damals, als Johan Cruyff das Spiel perfektionierte, Pelé immer noch aktiv war und Franz Beckenbauer eine neue Position erfand.

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Es waren jedoch andere Zeiten. Der Weltbeschleuniger Internet, die Digitalisierung des Spiels auf den Konsolen und die Sozialen Medien steigerten den Dualismus in bis dahin ungeahnte Höhen. Die Fans folgten den Stars bedingungslos bei ihren zuletzt immer hektischeren Karriereschritten zum nächsten Verein. Bei der WM 2022 bahnte sich eine regelrechte Ronaldomania durch den Wüstenstaat. Vor den Stadien standen sie in CR7-Trikots und posierten für den "Siuuuuuuu"-Jubel. Im Stadion angekommen war es ihnen egal, ob Ronaldo nun auflief oder nicht. Sie feierten ihn trotzdem. Weil sie ihn aus den Schnipseln von Youtube kannten und das, wovon sie dachten, dass er dafür stand - den ewigen Erfolg - an ihm so liebten.

2023 - das Jahr der Flucht aus Europa

Ronaldo schied bei der WM aus, Messi gewann sie. Er krönte sich mit einem bemerkenswerten Turnier, in dem er zehn Spieler um sich hatte, die ihm alle vertrauten und die alle ein Ziel einte. Ronaldo ging nach Saudi-Arabien, Messi besuchte ihn mit seinem Klub Paris Saint-Germain direkt im Anschluss und dann ging er im Sommer lieber nach Miami. Auch die Saudis hatten sich Hoffnung gemacht, doch die USA sich ebenso um ihn bemüht.

Die Fans folgten ihnen, auch wenn sie Europa verließen, eben jenen Kontinent, auf dem beide einen Großteil der beinahe 80 Trophäen gewannen und beide einen Großteil ihrer über 800 Tore schossen. Sie verließen das Europa, das ihnen nach den "Football Leaks"-Veröffentlichungen nicht immer nur wohlgesinnt war. Sie verließen auch ein Europa, in dem sie in den letzten Jahren nicht mehr glücklich gewesen waren. Ronaldo nicht seit seinem Wechsel von Real Madrid zu Juventus und Messi nicht seit seinem Abschied vom FC Barcelona. Dort war es die "Hölle" für ihn, wie der verhinderte Superstar Neymar erst in dieser Woche erklärt hatte. Sollte nicht ein Wunder passieren, werden sich beide nie wieder in einem Pflichtspiel gegenüberstehen.

"Die Rivalität ist vorbei", verkündete in dieser Woche dann auch Cristiano Ronaldo im Camp der portugiesischen Nationalmannschaft. "Es war gut. Die Zuschauer mochten es." Dann bat er um Versöhnung. "Diejenigen, die Cristiano Ronaldo mögen, müssen Messi nicht hassen und umgekehrt." Sie hätten sich ohnehin immer respektiert; auch wenn sie in den gemeinsamen Jahrzehnten nie Freunde geworden seien, so hätten sie doch zusammen etwas erreicht. "Wir haben es richtig gut gemacht. Wir haben die Geschichte des Fußballs verändert."

Die Generation Haaland übernimmt

Doch diese Geschichte ist nun auserzählt. Zum ersten Mal seit 20 Jahren ist Ronaldo nicht für die Wahl zum Ballon d'Or, zur Wahl zum besten Fußballer der abgelaufenen Saison, nominiert. Lionel Messi hat es noch einmal geschafft und vielleicht erhält er sogar eine erneute Chance. Aber dann ist es auch für ihn vorbei. Dafür braucht es keine Ausbildung zum Hellseher.

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Die Wachablösung ist nicht mehr zu stoppen. Eine neue Generation übernimmt und wird längst verehrt. Das ist nicht nur im Fußball der Fall. Es ist der Lauf der Zeit, der aktuell auch im Tennis zu beobachten ist. Zum Beispiel beim immer noch wachsenden spanischen Tennis-Giganten Carlo Alcaraz. Der 20-Jährige ist der Anführer der neuen Generation der Superstars. Daran bestehen keine Zweifel mehr. Die alten Helden sind auf ihren letzten Metern: Roger Federer hat die Bühne bereits verlassen und Rafael Nadal wird ihm bald folgen. Er hofft noch auf ein letztes Hallo auf dem Court, doch die Zeit rennt ihm davon. So bleibt nur noch Novak Djokovic, der zuletzt bei den US Open bereits sentimental zurückblickte. Dafür hat Alcaraz noch keine Zeit.

Kann Musiala sein Versprechen einlösen?

"Ich bin sicher, dass er der beste Spieler der Welt auf dieser Position sein wird. Ich bin wirklich, wirklich froh, ihn im Team zu haben", hatte eben jener Alcaraz neulich über den ehemaligen Dortmunder Jude Bellingham gesagt. Der macht jetzt in Superstar bei Real Madrid, dem absoluten Herzensklub des Tennis-Shootingstars, und ist damit einer der kommenden Anführer im Fußballsport. Noch aber ist es nicht so weit. Zwar ist der Engländer in diesem Jahr bereits für den Ballon d'Or nominiert, doch ein aussichtsreicher Kandidat ist er nicht. Ganz anders stehen die Chancen für Erling Haaland, eine norwegische Urgewalt, die dereinst mit Bellingham in Dortmund das Laufen, aber nicht unbedingt das Gewinnen lernte.

Bellingham, Haaland und dazu Kylian Mbappé, vielleicht sogar der Münchener Jamal Musiala: Sie alle stehen noch am Anfang einer langen Karriere. Wenn der heute 23 Jahre alte Haaland im Jahr 2038 das heutige Ronaldo-Alter erreichen wird, wird der Portugiese längst älter als 50 Jahre alt sein. Er wird eine Erinnerung sein, wie auch Lionel Messi, der auf Bildern immer im goldenen Stadion von Lusail den Weltpokal in den Wüsten-Abendhimmel recken wird.

"Unser Erbe wird weiterleben"

Die Kinder in der deutschen Provinz werden dann die Trikots von Bellingham und Haaland tragen. Egal, für welche Vereine und auf welchem Kontinent sie auflaufen werden. Die Fußballwelt Ende der 2030er-Jahre kann sich aktuell noch niemand ausmalen. Der Fußball ist erneut an einem Wendepunkt angelangt. Das hat nicht zuletzt dieser wilde Transfersommer mit dem plötzlichen und für viele mindestens verstörenden Auftauchen Saudi-Arabien als Global Player gezeigt.

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Das Spiel aber wird in einer irgendeiner Form überleben. Es ist zu stark für die Angriffe. Und so werden die Fans Ende der 2030er den WM-Rekordtorschützen Mbappé verehren und sich hoffentlich auch noch über das eingelöste Versprechen des Mittelfeldspielers Musiala freuen. Im Tennis wird Alcaraz Djokovic vermutlich längst als Rekordhalter mit den meisten Grand-Slam-Siegen abgelöst haben.

Die Rivalität zwischen Ronaldo und Messi aber wird für all das, was im Fußball kommen wird, einer der Grundsteine gewesen sein. Beide haben den Fußball für immer verändert. Beide haben Europa noch vor Karriereende verlassen und damit die Tür für andere Kontinente sperrangelweit geöffnet. Die Fußballwelt blickt nicht mehr nur auf Europa und sie blickt schon gar nicht mehr nur auf Ronaldo und Messi. "Unser Erbe wird weiterleben", sagt Ronaldo und auf dem Fahrrad fährt ein Kind mit einem Al-Nassr-Trikot vorbei.

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